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Bezug von Wein aus PIWI-Sorten
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Galanth



Anmeldedatum: 30.08.2008
Beiträge: 32

BeitragVerfasst am: 24.02.2009, 00:03    Titel: Rebsorte Airen Antworten mit Zitat

Meines Wissens ist Airen die meistangebaute Rebsorte der Welt. Denn sie ist sehr ertragreich und trockenheitstolerant. In der trockenen spanischen Zentralebene kann so mit minimaler Bewaesserung immer noch ein rentabler Ertrag eingebracht werden. So ist sie in sehr vielen guenstigen Spanienweissweinen als Verschnittpartner enthalten.

Als reine Europaeersorten hat sie keine Resistenzen , allerdings ist in der Anbaugegend Peronospora wofuer ja sonst das Kupfer eingesetzt wird nicht das Problem, da eben sehr trocken. Gegen Oidium muss dagegen bei viel Waerme mehr geschuetzt werden. Das machen die Oekos kostenguenstig mit Backpulver und bei hohem Befallsdruck mit einer Zumischung von ein wenig Schwefel.

La Mancha ist das groesste Weinbaugebiet der Welt, von daher wird bei entsprechenden Anbausystem und bei dem Preisniveau mit Sicherheit der Vollernter eingesetzt. Na ja und Ertragsregulierung / Laubarbeit ergibt sich wahrscheinlich durch Trockenstress;)
Falls noch nicht wie Australien per Minimalschnitt angebaut wird, werden fuer den Schnitt und das Biegen schlecht bezahlte Arbeitskraefte hauptsaechlich aus Marokko eingesetzt.

Ich teile die Meinung, dass bei grossen Weinguetern / Vertriebswegen ein Literpreis von 2,49 wirklich noch oekonomisch sein kann. Letzlich muss man sioch natuerlich immer fragen wer davon den Gewinn macht. Die Discounter wahrscheinlich mehr als die / der Winzer.

Wuerde das ganze als industriellen Weinbau im real existierenden Kapitalismus bezeichnen;)
Koennte bestenfalls so was wie der Volksbiowein werden - trotzdem mir noch sympathischer als ein Wein fuer den Herbizide, synthetischer N-Duenger, Fungizide und womoeglich auch noch Insektizide eingestzt worden sind. Also von daher schon mehr als nur Spass!

Gutes Naechtle
Galanth
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Martin Buser



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BeitragVerfasst am: 24.02.2009, 07:54    Titel: so ... Antworten mit Zitat

habe gesehen, dass Aldi schon einen Bio-Weisswein für 2.49 Euro und einen Bio-Rotwein zu 1.99 Euro aus Sizilien / Montepulciano im Sortiment hat.

Der Weisse stammt aus Cataratto und Inzolia, der Rote aus Montepulciano d'Abruzzo. Alle 3 Sorten sind reine Vitis vinifera und benötigen starken Pflanzenschutz. Und zudem ein Tropfsystem, das den ganzen Sommer durch die Reben bewässert.

Die Weinproduktion in Sizilien kenne ich sehr gut, gerade in der Gegend von Marsala ganz speziell, da ich dort ein Jahrzehnt lang nach meinen Erdorchideen geforscht habe, da ich zu diesem Thema eine Diss schreibe ....

Diese Rebsorten sind sehr Pilzanfällig und das Klima in Westsizilien ist so, dass jeder Morgen mit viel Tau an den Trauben gerechnet wird. Somit ist der Oidium-Druck enorm. Jede Woche fährt da die Spritze durch die Weinberge mit Schwefel und Kupfer. Die Stickel sind ja ganz blau, d.h. das ist genau das Bio-Label, so wie ich es mir so richtig vorstelle ....

Dazu kommt, dass der Wespenfrass dort unten in Sizilien enorm ist, also wird auch ein "biologisches" Insektizid verwendet ... der dann eben sind die "flüchtigen" Säuren sehr hoch ....

Also das läuft so: Wenn Ende August die Lese gemacht wird, da ist eine Armee von Illegalen Einwanderer aus Tunesien in den Rebbergen, die Lesen für ein paar Euro am Tag! Da wartet ein 40 Tönner Kippanhänger am Rande jeder Parzelle. Der ganze Tag durch wird gelesen, bei Temperaturen um die 35° C. So warm ist auch das Lesegut. Also die beste Temperatur für die Essigbakterien !

Zwischen Marsala und Masara del Vallo hat es eine grosse Cooperative neben einer 4-spurigen Schnellstrasse. Beidseits der Eingangspforte wartet eine Schlange von 40-Tönnern über ca 20 km auf jeder Seite. Nach der Eingangspforte gibt es eine Abfertigung. Jeder Laster fährt über eine Waage, Eingangs und Ausgangs. danach gibt es 3 Anlagen, wo die Zuckerwerte gemessen werden, je nach Zuckerwert und Rebsorte wird dem Chauffeur eine Nummer vergeben, wo er seine Ladung in einen unterirdischen Trichter kippen kann. Es hat 10 Annahmetrichter. Für den Zibbibo so 3, den Grillo 2, den Cataratto und Inzolia je 1 etc. Der Kipper fährt den Annahmetrichter an, hebt die Ladung, dann donnern 35 Tonnen Lesegut in die Tiefe, der Laster fährt noch mit der gehobenen Kippvorrichtung weg, denn der nächste ist schon da, um hinunter zu kippen ....

Unten im Trichter ist eine Schnecke, die das Lesegut (35° C) in die Trommelpresse führt, unterwegs wird dauernd mit Schwefel (Sulfiten) bespritzt. Der Saft geht dann in die ca. 50 Tanks mit 1 Million Liter Inhalt, auf der andern Seite kommt der Treber heraus. Da warten 3 Pneu-Trax, um den Treber auf einen Berg zu türmen, der dann so 3 Fussballfelder gross und 20 Meter hoch ist. Die Abwasserkläranlage lässt grüssen ... Dieser Prozess läuft über die ganze Nacht bis in die frühen Morgenstunden!

Am andern Morgen dann ist da ein ganz anderes Bild. Da wartet eine ganz andere Lasterschlange, nämlich mit Tankwagen, die den Most in die verschiedensten Windrichtungen über ganz Italien mit billigem Zumischmost beglücken ... auch der Treber wird dann in spezielle Silos gegeben, um den Restucker für billigen Schnaps zu brennen ...

Und genau so schmecken dann auch die Weine, die werden dann mit Weinsäure aus dem hohen Norden angereichert, mit Aromastoffen von Givaudan aufgepeppt und landen dann als Bio-Wein beim Aldi.

Dies ist die tolle romantische Geschichte des Bio-Weines von Aldi aus Sizilien. Montepulciano und La Mancha wird ja wohl kaum romantischer sein !
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Martin Buser



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BeitragVerfasst am: 24.02.2009, 08:13    Titel: Antworten mit Zitat

Das mit der Rebsorte Airen ist absolut richtig, jedoch reicht nur Backpulver und Schwefel nicht aus, denn in den südlichen Gefielden wie die Mancha, die ich auch sehr gut kenne von Seiten der Erdorchideen, ist der Insektendruck enorm. Wenn da nicht regelmässig die famosen "biologischen" Spritzmittel auf der Basis des Extraktes von Chrysanthemum (Chrysanthemum cinerariifolium, Pyrethrum cinerariifolium, Chrysanthemum coccineum, Pyrethrum roseum, Pyrethrum carneum) verwendet werden, gibt es keine Ernte ....

Ja, wie dehnbar ist der Bio-Label, wenn da niemand hinschauen kann ? Tönt doch gut, dass man die Reben mit Pflanzenextrakten schützt, ein altes Rezept, schon die Römer kannten die Pyrethrine ...
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Dietmar



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BeitragVerfasst am: 24.02.2009, 18:49    Titel: Antworten mit Zitat

Ich glaube nicht, dass Aldi und Co. wissentlich belasteten Wein als Biowein verkaufen. Der Imageschaden wäre bei den zigtausend Filialen viel höher als der vermeintliche Gewinn durch den Etikettenschwindel.

In den letzten Jahren wurde die Qualitätssicherung deshalb bei den großen Discountern gewaltig ausgebaut. Keine der anderen Lebensmittelketten kann vermutlich auch nur ansatzweise Ähnliches vorweisen und seine Lieferanten so kontrollieren.

Bei Untersuchungen von Stiftung Warentest schneiden Produkte von Aldi und Lidl regelmäßig besser ab, als die z.T. zehnmal so teuren Markenprodukte

Die großindustrieellen Produzenten von Biowein nutzen in der Regel nur den Spielraum aus, den eine z.T. schwammige Regelungslandschaft bietet. Es gibt eine Reihe verschiedener Biolabel mit jeweils eigenen Vorschriften.

Das nächste Problem ist das der Politik. Die muss abwägen zwischen sehr harten Biovorschriften und nur ganz wenigen Produzenten, die diese harten Verschriften erfüllen können (also Bio als vernachlässigbarer Randerscheinung), oder etwas lockereren Vorschriften, um möglichst viele Produzenten zum Bioanbau zu animieren und dadurch Biolebensmittel zu einem viel höheren Marktanteil zu verhelfen und für breite Bevölkerungskreise auch bezahlbar zu machen. Ergo: Lieber 10 % 90%-Bio als 0,001 % 100%-Bio.

Ein großes Problem sehe ich darin, dass die Bio-Aktivisten unter oft widrigen Bedingungen mit viel Engagement und Ideen eine neue Branche etabliert haben. Nun, wo der Erfolg für Bio eintritt, beginnen industrielle Großproduzenten mit einer "seelen- und kulturlosen" Großproduktion auf den fahrenden Zug aufzuspringen und die Aktivisten zu be- und verdrängen.

Das ist aber auch in der Industrie so. Kleine Unternehmen bringen hochinnovative Produkte. Wenn diese aber am Markt einschlagen, dann werden plötzlich die konservativen Großunternehmen aktiv und erschlagen die kleinen innovativen Unternehmen mit ihrer Marktmacht und Finanzkraft.

Beim Biowein kommt meines Erachtens noch dazu, dass der Weinbau und die Weinbereitung auch ein altes Kulturgut sind. Naturnaher Anbau und Weinbereitung, verbunden mit hochqualifizierter Handarbeit, beruhend auf langjähriger Erfahrung und Tradition, haben ein positives Image geschaffen.

Und dieses Image, das ja auch mit etwas Romantik vermischt ist, wird nun durch die industriemäßige Großproduktion entzaubert.

Damit die kleinen Bio-Winzer auch in Zukunft ihre Produkte vermarkten und sich gegen die industrieellen Großproduzenten behaupten können, müssen diese m.E. ihre Produkte auch auf ganz spezifische Weise vermarkten. Stichworte: Verschränkung von Biowein und Erlebnistourismus (Urlaub auf dem Winzerhof, Erlebnis-Weinstuben, Standortmarketing ...), d.h., sich solche Marktnischen einrichten, in die Großproduzenten nicht vordringen können.
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Martin Buser



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BeitragVerfasst am: 06.12.2009, 18:33    Titel: Flasche zu 5 ct Antworten mit Zitat

Diese Aussage ist falsch, denn eine Nachfrage hat ergeben, dass auch bei ganzen Lastwagen à 40 t der Preis pro Qualitätsflasche nicht unter 15 ct Euro zu haben ist ....
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